
Flatterstrom bezeichnet unregelmäßige, teils starke Schwankungen in der Stromerzeugung, vor allem aus Wind- und Solarenergie, die das Stromnetz technisch vor neue Herausforderungen stellen. Und was für Haushalte besonders interessant ist: Welche Auswirkungen hat Flatterstrom auf unsere Strompreise? Und wie sinnvoll ist es eigentlich, den Begriff zu verwenden?
Was versteht man unter Flatterstrom und woher kommt der Begriff?

Flatterstrom auch „Zappelstrom“genannt, ist ein Wort für den Strom, dessen Einspeiseleistung zeitlich stark und unvorhersehbar variiert, also flattert oder eben zappelt. Das Wort selbst ist seit den 2010er Jahren und zwar vor allem als Kampfbegriff gegen die Energiewände, gebräuchlich.
Aber es gibt auch einen sachlichen Kern dieses Begriffs: Strom aus konventionellen Quellen wie Kohle, Gas, Öl oder auch Atomenergie stehen vergleichsweise relativ konstant zur Verfügung. Bei erneuerbaren Energien ist die Ausbeute dagegen von Wetter, Tageszeit und Jahreszeit abhängig: Windkraft liefert je nach Windstärke sehr unterschiedliche Mengen an nutzbarer Energie. Und Photovoltaik liefert nur bei ausreichender Sonneneinstrahlung ausreichend Strom und, natürlich, nicht in der Nacht.
Neben den natürlichen Schwankungen von Wind- und Solarstrom können auch viele gleichzeitige Schaltvorgänge großer Verbraucher, Lastwechsel in Industrieanlagen und Störungen oder Überlastungen im Verteilnetz zu Spannungsschwankungen führen. Auch diese werden dann oft als Flatterstrom wahrgenommen. Defekte oder veraltete Netzkomponenten sowie elektromagnetische Einflüsse starker Maschinen verschärfen diese Effekte zusätzlich.
Welche Auswirkungen hat Flatterstrom auf ganz normale Haushalte?
Für das Stromnetz bedeutet Flatterstrom, dass Einspeisung und Verbrauch schwieriger im Gleichgewicht zu halten sind, was Auswirkungen auf die Frequenzstabilität hat und mehr Regelenergie sowie kurzfristig zuschaltbare Kraftwerke erfordert.
Konkret für unsere Haushalte zeigt sich Flatterstrom unter anderem in flackernder Beleuchtung, möglichen Störungen oder Ausfällen empfindlicher Elektronik und einer insgesamt geringeren Spannungsqualität. Da um natürliche, erneuerbare, Energien auf lange Sicht kein Weg führt, gibt es einige Ansätze, um das Problem des ungleichmäßig fließenden Stroms zu lösen.
Lösungen zur Stabilisierung der Stromversorgung
Zur Beherrschung von Flatterstrom werden aktuell bereits mehrere Ansätze kombiniert:
- Netzausbau
- Leistungsfähige Speichertechnologien
- Flexibler Einsatz regelbarer Kraftwerke
- Intelligentes Lastmanagement, das Verbrauch zeitlich an hohe Einspeisephasen anpasst.
Biomassekraftwerke, Pumpspeicher, Batterien und perspektivisch sicherlich grüner Wasserstoff können gezielt dann Strom liefern, wenn Wind und Sonne wenig beitragen, und so Dunkelflauten und Flatterstrom abpuffern.
Rolle in der Energiewende
Um Missverständnissen vorzubeugen: Flatterstrom ist kein Zeichen genereller Unzuverlässigkeit erneuerbarer Energien, sondern eine Folge ihrer naturbedingten Schwankungen, die netztechnisch gemanagt werden können. Die Energiewende setzt daher auf einen Mix aus verschiedenen erneuerbaren Quellen, Speichern, digitalen Steuerungen und flexiblen Tarifen, um trotz schwankender Einspeisung eine sichere und stabile Stromversorgung zu gewährleisten.
Welche Auswirkungen hat Flatterstrom auf unsere Strompreise?
Was die Strompreise betrifft, sorgt Flatterstrom an der Börse sowohl für sehr niedrige (teilweise negative) als auch für sehr hohe kurzfristige Strompreise und lässt die Preise insgesamt deutlich stärker schwanken. Was bedeutet das für unsere Haushalte?
Wenn Wind- und Solarstrom wegen Wetter stark schwanken, schwankt auch das Verhältnis von günstiger zu teurer Erzeugung im Markt, was Direktfolge schwankender Börsenstrompreise ist. In Zeiten mit viel Wind und Sonne drängen die fast „brennstofflosen“ erneuerbaren Anlagen teure Kraftwerke aus der Merit Order, was die Preise stark senkt oder sogar ins Negative drückt.ffe+3
Niedrige und negative Preise bei Überschuss
Bei sehr hoher Einspeisung aus Wind und PV und gleichzeitig geringer Nachfrage entsteht ein Stromüberschuss, der zu sehr niedrigen oder negativen Börsenpreisen führt. 2025 traten in Deutschland bereits im ersten Drittel des Jahres 119 Stunden mit negativen Strompreisen auf, im Gesamtjahr 2025 waren es mehrere hundert Stunden, in denen Abnehmer an der Börse effektiv Geld für Strom erhielten.
Hohe Preise bei Dunkelflaute
Bei Dunkelflauten mit wenig Wind und Sonne müssen teurere fossile Kraftwerke einspringen, was kurzfristig zu sehr hohen Börsenpreisen führen kann. Ende 2024 wurden in Deutschland Spitzenpreise von bis zu knapp 936 Euro pro Megawattstunde gemessen; solche Situationen betrafen aber nur wenige Prozent der Jahresstunden.
Einfluss auf Preise für unsere Haushalte
Haushalte mit dynamischen Tarifen spüren Flatterstrom sehr direkt, weil ihr Arbeitspreis stundengenau mit diesen Hochs und Tiefs der Börse mitläuft. Bei klassischen Fixpreis-Tarifen glätten Versorger die Schwankungen, kalkulieren aber Risikoaufschläge ein, sodass extreme Preisspitzen zwar abgemildert, im Durchschnitt aber zum Teil eingepreist werden.
Und zur langfristigen Wirkung lässt sich das umstrittene Thema des „Flatterstroms“ so zusammenfassen: Im Mittel wirkt der hohe Anteil erneuerbarer Energien trotz Flatterstrom eher strompreissenkend, weil sie teure Kraftwerke seltener zur Preisbildung kommen lassen. Studien zeigen, dass ein ambitionierter Ausbau erneuerbarer Energien den durchschnittlichen Börsenstrompreis bis 2030 um rund 20 Euro pro Megawattstunde senken kann, gleichzeitig aber mit deutlich größeren Preisspreizungen im Tages- und Jahresverlauf einhergeht.
Quellen:
- Text: Kohleausstieg / Strompreise / Dunkelflaute / Flatterstrom
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